Dienstag, 25. September 2007

Der Brief

Dass das Schlimmste nicht war
dass sie ihn verließ
haben viele von Ferne
nicht begriffen

Dass das Schlimmste nicht war
dass sie ihn verstieß
darauf haben die meisten
im Grunde gepfiffen

Kaum einer verstand
dass die zitternde Hand
nicht einer Kränkung
nach gebührte

Kaum einer besah
dass, so wie es geschah,
nicht das einsam sein
so an ihm rührte

viel mehr, meine Lieben
so hat er geschrieben
ist es die blose
Ahnung gewesen

dass im Grunde sie scheute
zu sagen die Beute
die kann ruhig dort
im Ausguss verwesen

dass sie stets noch so tat
als wärs ihr nicht fad
ihren Weg mit ihm
noch weiter zu geh'n

dass sie stets offerierte
dass man sich nicht verlierte
und doch war's ja im Bett
schon dem nächsten bequem

dass sie das ihm nicht sagte
obgleich er sie fragte
dass sie ewig in Demut
ganz heilig stand

das hat ihn getroffen
und er hat sich besoffen
nicht einmal weil sie
ihn so sehr verkannt

es war weil sie log
und ihn doppelt betrog
im Bestreben den Schaden
klein zu halten

weil sie feig wie ein Hase
Trauer nannte als Phase
nur um ihr Gewissen
stumm zu schalten

weil sie es nicht schaffte
aus eigener Krafte
ihm zu lieb'
doch ehrlich zu bleiben

und so war er entsetzt
und auf immer verletzt
und es wird ihm lang
die Gesellschaft verleiden