Das Bloggen ist für mich wie eine große, melancholische Liebe. Eine, die von Alltag zugedeckt und verdrängt wird und trotzdem nie vergeht. Diese merkwürdige Schwermut, mit der ich zurückblicke auf die vielen Nächte, in denen ich im dunklen Zimmer saß und tippte, als gälte es die Welt, der großen Schwärze des Internets zu berichten, von leeren Gläsern, nassen Pflastersteinen und der großen übernächtigten Sehnsucht derjenigen, die in einer Sommernacht allein nach Hause gehen. Manchmal kam mir das alles irgendwie morbid vor, wie ein kleines Fenster zur Nachtseele. Ein unzugänglich-zugängliches Fragment der Lebensunwirklichkeit.
Das erste Blog, der erste Text, Geschichten von Kängurus und Gastfamilien und Fremde. Mehr als 7 Jahre her. Immer noch Phantomschmerz. Komisch, dass man daran so hängt. Das hier war nie dasselbe. Und obwohl das meiste noch irgendwo in den Untiefen der Festplatte verwahrt wird, ists, als hätte man mit der seelenlosen Plattform, die wie tausende andere auch auf irgendeiner Formatvorlage basierte, einen Teil seiner selbst gelöscht.
Und irgendwann ist die Seele aus den Buchstaben verschwunden. Vielleicht wegen mangelnder Anonymität, zuviel Unaussprechlichem oder zuwenig Introspektive.
Mich verwundert, wie sehr ich hänge an den alten Regelmäßigen. Wieviel mir Menschen bedeuten, die ich zum Teil nie getroffen habe und welche Intimität man empfindet, in einem Umfeld, das so anachronistisch eigentlich, so wenig intim ist.
Vielleicht fange ich neu an, irgendwo.
Dir verzeihen, das heißt
mir selbst
Menschlichkeit zu erlauben
Dir verzeihen, das heißt
uns in Perspektive setzen
deine Wut sehen als
eine stumme Anklage an
dich selbst
Dir verzeihen, das heißt
Angst umdeuten in
ein Erkennen
und Flucht
in ein Ablehnen von Stillstand
und Destruktion
Dir verzeihen, das heißt
weitergehen und
meine Grenzen anerkennen
und
mir selbst verzeihen
3 Kommentare:
und kurz auftauchen, wie fühlt sich das an?
große, melancholische lieben kann man zum glueck nie ganz aufgeben.
Der Text zu "die Sehnsucht nach" ist einer der besten, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe. Bitte, bitte auftauchen!!!!
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